No races. No Problem.

No races. No Problem.

No races. No problem.

30

July, 2020

By Astrid Stienen

Im Augenblick kommt gefühlt jeden Tag eine Rennabsage rein. Sei es für den Herbstmarathon, die IRONMAN-Weltmeisterschaft im Februar oder die auf den Herbst verschobenen Grand Fondos. Als Sportler, der sich auf sein Event vielleicht schon über ein Jahr gefreut hat und auf das man mit viel Hingabe trainiert, fühlt man sich orientierungslos. Manchmal allein gelassen oder gar demotiviert. Neue Wettkämpfe: Nicht in Sicht. Ohne Alternativen könnte die Zeit bis Wettkämpfe wieder möglich sind langweilig werden.

Motivation

Wettkämpfe sind für viele Sportler die Motivation zu trainieren. Die Beweggründe sind so vielfältig wie wir als Menschen sind. Die Einen wollen ein Event genießen, sei es wegen der Landschaft, der Menschen oder der Organisation. Der Andere möchte für sich selber etwas erreichen und eine neue Distanz schaffen. Der Nächste sucht den sportlichen Wettkampf mit anderen oder will seine Grenzen ein Stück weiter schieben. Die Gründe ließen sich unendlich fortsetzen. Dabei ist jeder Beweggrund als solcher wunderschön und hat seine Berechtigung.

Dass Motivation auch anders besetzt sein kann, hat Janine Jung letzte Woche sehr schön in Ihrem Blogbeitrag beschrieben. Janine hat die fehlenden Wettkämpfe und die Einschränkungen durch Corona für sich sehr positiv genutzt und tolle Anregungen gegeben.

Was aber, wenn es konkretere Ziele sein sollen? Welche Ideen gibt es dann? Wir haben für euch einige Ideen zusammengetragen.

Virtual Racing is possible everywhere

Photograph by Christian Decker

Virtual Racing

Für alle die sich gerne mit anderen messen möchten, geht das zu fast jeder Tages- und Nachtzeit. Insbesondere Lauf- und Radevents finden sich ganz einfach bei Zwift. Triathleten werden bei IRONMAN Virtual Racing fündig.

Diese Events haben den Fokus ganz klar auf dem Renncharakter. Wer sich mit anderen messen möchte oder eine bestimmte Rennlänge einfach schaffen möchte, findet hier tolle Möglichkeiten. Aus unserer Erfahrung, ist es mental oft leichter Bestleistungen abzurufen, wenn man Mitstreiter hat die einen mitziehen oder Konkurrenten die einen pushen. Je nachdem welchen Blickwinkel man hat. Das ist bei dieser Art von Rennen immer gegeben. Allerdings sind manche Dinge, wie die Renntaktik oft anderes als bei echten Rennen. Deswegen gibt es für Zwift Tipps für Radfahrer und Tipps für Läufer, damit das erste Rennen nicht zur Überraschung wird. Im ersten der beiden Artikel ist auch erklärt, wie man sich ein Event aussucht und sich dort anmeldet.

Für Triathleten gibt es das IRONMAN Virtual Racing. Dieses ist ein wenig anders aufgebaut. Events als Rennen gibt es hier an den Wochenenden, wobei die Distanzen variieren. Von der Sprintdistanz bis zum IRONMAN 70.3 ist alles dabei. Dabei werden die Events als Duathlon ausgetragen und man muss die beiden Läufe draussen laufen und den Bikesplit nach drinnen auf der Rolle auf einer ROUVY-Strecke fahren. Für Multisportler auf jeden Fall ein schönes Format, dass die Kombination aus Laufen und Radfahren virtuell ermöglicht. Als weiterer Anreiz starten an jedem Wochenende auch IRONMAN Profis bei diesen Rennen und man kann seine Zeiten mit denen der Pros vergleichen. Frei in der Zeiteinteilung ist man bei Challenges, die jeweils von Sponsoren präsentiert werden und wo man für absolvierte Leistungen Bonuspunkte bekommt mit denen man bestimmte Produkte mit Rabatt kaufen kann. Diese ähneln sehr stark den Challenges die man von Strava kennt.

Fazit zu den Virtual Races: Wer sich mit anderen messen möchte oder das erste Mal eine bestimmte Distanz schaffen möchte, der ist hier genau richtig. Für all diejenigen die sich bei Zwift messen möchten, hier gibt es auch sehr schöne Unterschiede in der Streckenauswahl. Leichtgewichte werden auf bergigen Strecken bessere Ergebnisse erzielen, wohingegen schwerere Sportler auf flachen Strecken die besseren Karten haben.

Für alle die sich gerne mit anderen messen möchten, geht das zu fast jeder Tages- und Nachtzeit.

PB Days

In den sozialen Netzwerken werden aktuell immer wieder Wochenenden ausgerufen, an denen man zeitgleich mit anderen Sportlern versucht seine persönliche Bestleistung (PB) über eine bestimmte Strecke (z.B. 10km) oder auf einem Rennkurs (z.B. Challenge Roth) zu verbessern.

Sich auf einen bestimmten Tag zu konzentrieren und gezielt darauf zu trainieren, erhöht definitiv die Motivation. Die Strecke kann sich dabei jeder selber aussuchen und vielleicht findet sich ja sogar ein Freund, der mit macht. Wenn nicht, fiebern hunderte oder tausende andere Sportler auf den diversen Kanälen mit auf diesen Tag hin. Dass alle dies fotografisch dokumentieren macht es möglich in Kontakt zu treten, den anderen anzufeuern und sich gegenseitig zu beglückwünschen. PB Days sind für Sportler die ihre Motivation auch aus der sozialen Interaktion ziehen, eine tolle Alternative.

Astrid Stienen

Photograph by Christian Decker

Club Races

Da Rennen mit einer großen Teilnehmerzahl momentan nicht “Corona sicher” ausgetragen werden können, werden immer mehr private Rennen organisiert. So kann man in einem kleinen Teilnehmerkreis sein eigenes Format bestimmen und sicher sein, kein Ansteckungsrisiko befürchten zu müssen.

Ihr könnt eure Vereinsmeisterschaften, ein Freundeskreisrennen oder eine Dorfmeisterschaft austragen. Dabei ist es egal welche Sportart oder Strecke ihr euch aussucht. Nutzt eure Garminuhren als Zeitmesser, definiert eine Strecke und startet mit Abstand. Ganz so wie die Einzelzeitfahren bei der Tour de France. Denkt daran, dass Rennen im öffentlichen Straßenverkehr nicht in allen Ländern erlaubt sind und das Verkehrsregeln auf jeden Fall eingehalten werden müssen. Sicherheit geht vor, deswegen sucht euch abgelegene Wege und Straßen.

Theoretisch geht so ein Format auch unabhängig von einem konkreten Tag über einen Zeitraum. Wenn ihr es an einem, bestimmten Tag macht, könnt ihr aber direkt eine Siegerehrung organisieren und beim Bier danach eure Heldengeschichten austauschen. Das ist doch auch, worum es beim Sport geht.

Persönliche Challenges

Mit einem voll gepackten Rennkalender sind andere Herausforderungen nicht immer sinnvoll ins Training integrierbar. Sei es der Wunsch eine Königsetappe der Tour de France mit 5000 Höhenmetern abzufahren, eine Ultra-Trail zu laufen oder einfach mal seinen persönlichen längsten Tag zu erleben. Wer seine Grenzen sucht oder Extremerfahrungen machen möchte, der kann dies jetzt tun, ohne dabei Kompromisse zu machen.

Momentan zählt aus Trainingssicht vor allem Kontinuität und die ist auch mit solch langen Tagen gewährleistet. Schnappt euch eure Schuhe, euer Bike oder was auch immer und definiert eure Grenzen neu. Ob es sinnvoll ist 300 Kilometer und mehr zu fahren oder mehr als 50 Kilometer zu laufen? Das muss sich jeder selber fragen. Aber für wen dies reizvoll ist, der hat jetzt die Gelegenheit dazu.

Bucket List

Die persönlichen Challenges haben sicher einige Überschneidungen mit der Bucket List. Aber hier kommt auch ein hoher Genußfaktor dazu. Wie wäre es statt Trainingslager einfach mal eine Trailtour durch die Berge mit Rucksack von Hütte zu Hütte zu machen? Oder sein Rad mit Rucksack mal bis ans Meer oder ins Gebirge zu fahren? Vielleicht willst Du auch einfach nur in einem glasklaren See baden oder eine Kanutour in der Wildnis machen. Warum nicht die Gelegenheit nutzen? Alles was draußen gemacht werden kann, kann man auch als Training nutzen und in den Trainingsplan einbeziehen. Also, sprecht mit eurem Coach und macht das wofür ihr sonst nicht immer die Zeit habt.

Fazit: Es gibt genug zu tun.

Wir haben hier nur eine kleine Auswahl an Möglichkeiten für euch rausgesucht. Der Fantasie sind wir so oft keine Grenzen gesetzt. Das einzige was ihr braucht ist Initiative. Nehmt euch das Format raus, was euren Interessen am nächsten kommt und dann rockt ihr das. Ganz genauso, wir ihr das bei einem richtigen Rennen auch gemacht habt. Die kommen nämlich irgendwann auch wieder. Und bis dahin haben wir trotzdem unseren Spaß.

Motivation – nicht nur in Corona Zeiten

Motivation – nicht nur in Corona Zeiten

Motivation – nicht nur in Corona Zeiten

23

July, 2020

Motivation

Von Janine Jung:

 

Wir alle wollten es wahrscheinlich Anfang des Jahres noch nicht wahrhaben, dass auch uns das Corona-Virus treffen wird und plötzlich alle geplanten Wettkämpfe nicht stattfinden werden. Doch genau so ist es nun im Jahr 2020 gekommen. Und auch wenn noch der eine oder andere Wettkampf provisorisch auf der Agenda steht, sehen wir uns alle gezwungen uns mit dem Gedanken anzufreunden, dass es vielleicht dieses Jahr doch keinen Wettkampf mehr geben wird.

Zum Start der Corona Zeit konnte man noch viele Blog Einträge dazu lesen, wie man sein Training nun richtig gestalten solle für die kommenden Monate, um Schwächen zu verbessern. Je länger jedoch Corona dauerte, desto mehr Einträge konnte man zum Thema Motivation lesen und wie man diese in der sehr unsicheren Zeit beibehält.

Mir wurde erst durch diese Einträge und Gespräche mit meiner Trainerin, Astrid, sowie meinem Partner bewusst, dass ich eigentlich zu keinem Zeitpunkt ein wirkliches Motivationstief für das Triathlon-Training hatte. Dies brachte mich zum Nachdenken, wieso bin ich weiterhin motiviert obwohl auch bei mir voraussichtlich kein Wettkampf dieses Jahr stattfinden wird? Ich denke es lässt sich auf ein paar wenige Punkte reduzieren, welche ich hier niederschreiben möchte.

1. Sich bewusst werden, wieso man den Sport überhaupt gerne macht

 

Was hat mich überhaupt dazu bewegt mit Triathlon anzufangen? Ich habe lange Leistungssport gemacht und dann kam bei mir der klassische Abbruch, von 100% auf null und damit leider auch ein ungesunder Lebensstil. Nichts mehr war übrig von der sportlichen Person, welche ich einmal war. 10 Jahre nach dem Beenden meiner «Sportkarriere» kam dann mit meinem ersten Rennrad plötzlich die Freude an Bewegung und der Genuss der Natur zurück. Und wie so oft, führte eine Wette zu meinem ersten Triathlon Wettkampf. Wie bei vielen anderen auch. Dies führte dann zu meinem ersten 70.3. Das Wettkampfgefühl ist einfach ein Traum, dennoch ist es nicht nur der Wettkampf, der mich begeistert zu trainieren. Viel mehr ist es zu spüren wie mein Körper sich wieder zu dem entwickelt wie ich ihn von früher kannte: sportlich und zuverlässig. Und genau diese Entwicklung meines Körpers gibt mir jeden Tag Motivation weiter zu trainieren, egal ob ein Wettkampf da ist oder nicht. Ich kann mich seit 10 Jahren endlich wieder im Spiegel anschauen und bin zufrieden und stolz auf meinen Körper. Und dieses Gefühl möchte ich nicht mehr missen, und dies kann mir auch Corona nicht nehmen.

Am Pass

Photograph by Janine Jung

2. Vorteile sehen

 

Hat die aktuelle Situation eventuell auch positive Seiten? Ja, die gibt es sogar. 😊 In meinem Fall, durch das Homeoffice fielen zwei Stunden Arbeitsweg weg und ich konnte mehr trainieren. Dies wollte ich schon immer und nun bot sich die Möglichkeit an ohne Handstände zu machen. Dieses Privileg wäre ohne Corona nicht passiert und so eine Chance sollte man mit einem Handkuss begrüssen. Think positiv.

Corona hat uns also nur die letzten 5% «gestohlen» und glücklicherweise haben wir immer noch das Privileg uns bewegen zu dürfen und die Natur in ihrer vollen Schönheit zu geniessen.

3. Das Training hilft dem Tag Struktur zu geben

 

In der unsicheren Zeit mit Homeoffice und dem Verlust der Tagesstruktur half mir das Training weiterhin eine Struktur beizubehalten. Zusätzlich hatte ich so jeden Tag etwas vorauf ich mich freuen konnte. Und ja, es war halt nicht das Schwimmen aber zum Glück gibt es ja noch das Laufen und Rad. Können also immer noch aussuchen. Zusätzlich kam natürlich noch der Effekt dazu, dass Sport generell einfach hilft auch die schlechten News mal für ein paar Stunden zu vergessen.

Janine Jung

Photograph by Janine Jung

4. Einen Coach zu haben

 

Ich war schon immer der Überzeugung, dass ich die Fortschritte nur dank meiner großartigen Trainerin mache. Und während Corona wurde mir dies noch bewusster. Wenn der Trainingstag geplant ist und man nicht überlegen muss was man machen soll, dass motiviert schon gewaltig und der Schweinehund verschwindet auch von ganz allein. Schliesslich will man im wöchentlichen Update was zu erzählen haben. Und wenn jemand ganz tolle Wege findet das Training abwechslungsreich zu gestalten, dann ein Coach. Mit dem Nebeneffekt, dass man sich auch noch verbessert 😊.

5. Neue Ziele setzen, z.B. Bucket-List abarbeiten

 

Seit ich mit dem Rennrad angefangen habe, gab es für mich so ein paar Strecken, die ich schon immer mal machen wollte. Doch vor 2 Jahren habe ich mir diese körperlich noch nicht zugetraut bzw. letztes Jahr hätten sie mit der Wettkampfvorbereitung konkurriert. Aber in diesem Jahr war ich fit genug und musste auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich eine Einheit mache, die wohl trainingstechnisch nicht so viel bringt, aber mir dafür unglaublich viel Freude bereitet. Und so kam es, dass meine Trainerin und ich diese Ausfahrten in meinen Trainingsplan eingebaut haben. Somit gab es meine erste lange Passfahrt, meinen ersten Tag mit >8 Std auf dem Rad und meiner ersten Bike-Packing Tour. Erlebnisse die ich wohl nicht mehr so schnell vergessen werde! Natürlich habe ich es mir auch nicht nehmen lassen einen 5km Testlauf zu machen. Ich habe einfach gemerkt wie stark ich mich entwickelt habe und wollte dies «schriftlich» festhalten. Kurzerhand habe ich eine Freundin organisiert die als Pace-Makerin diente. Und Schwups, da kam dann doch auch Nervosität hoch und schon fast ein wenig Wettkampfgefühl.

All diese Punkte haben für mich persönlich dazu geführt, dass ich praktisch nie Motivationsprobleme hatte bzw. mir die Frage gestellt habe wieso ich dies überhaupt mache. Klar, dies heisst nicht, dass ich jedes Intervalltraining mit Freude gestartet habe 😉. Aber dieses Gefühl kenne ich ja auch zu normalen Zeiten. Auch ich vermisse die Wettkämpfe, aber ich hätte wohl das Training viel mehr vermisst, wenn ich dies nicht mehr hätte machen dürfen. Corona hat uns also nur die letzten 5% «gestohlen» und glücklicherweise haben wir immer noch das Privileg uns bewegen zu dürfen und die Natur in ihrer vollen Schönheit zu geniessen. Und wenn dann der Wettkampf wieder vor der Tür steht, werde ich ihn wohl noch mehr geniessen als bisher!

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