Chris

„Grenzen gibt es nur im Kopf.“

Christian Decker – Coach der schnellsten deutschen Langdistanz-Athletin 2016 im Interview

Christian was macht für Dich gutes Coaching aus?

Ich habe die Erfahrung als Athlet gemacht, dass ich dann die besten Leistungen gebracht habe, wenn jemand voll und ganz hinter mir stand, dem ich blind vertraut habe. Trainingspläne vorgeben und die Daten auswerten ist zwar wichtig, aber wenn der Sportler mit seinem Leben und seinen Gefühlen dabei nicht ausreichend berücksichtigt wird, wird niemals das Optimum erreicht werden können. Für mich ist es deswegen ganz essentiell einen engen Kontakt zu meinen Athleten zu haben und bei Bedarf täglich erreichbar zu sein.

Wie konkret sieht dann dein Coaching aus?

Ich suche die Nähe zu meinen Athleten. Schon beim ersten Kennenlernen möchte ich soviel wie möglich wissen und spüren ob wir einen Draht zu einander aufbauen können. Ich werte jegliche historischen Trainingsdaten und Ergebnisse aus und vergleiche diese mit der aktuellen Situation sowie den Zielen meiner Athleten. Daraus leiten wir dann Grob- und Feinziele in der Trainingsgestaltung ab, immer unter Berücksichtigung des Familien- und Arbeitsumfeldes. Meine Athleten übermitteln mir ihre Trainingsdaten und Infos zu ihrem subjektivem Empfinden über die für sie am einfachsten zu erreichenden Wege. Dazu führen wir wenigstens einmal wöchentlich ein 30-minütiges Telefonat geben uns gegenseitig Feedback und planen gemeinsam grob die nächste Woche.

Was sind deine Erfahrungen aus diesem Vorgehen?

Es gibt den Athleten vor allem Sicherheit. Die meisten Sportler kennen es nicht positives Feedback zu bekommen und sind sehr kritisch mit sich selber. Vor allem bedeutet für die meisten gutes Training unbedingt viel Umfang oder dauernd Höchstleistungen, was dazu führt, dass nie die maximal mögliche Leistung erzielt wird. Mein Blick geht immer auf die Erfolge und Fortschritte und ich bin ein Verfechter von möglichst viel positivem Feedback. Mein Job als Coach ist es das Training optimal zu gestalten, dem Athleten einen Spiegel vorzuhalten und den Weg für die Ziele für die der Athlet brennt immer aufzeigen zu können. Denn erreichen kann man alles was man träumen kann. Die Grenzen sind nur im Kopf und werden von uns selber gesetzt. Mein Ziel ist es diese Grenzen mit meinen Athleten verschwinden zu lassen.

Es fällt auf, dass Du das positive Feedback sehr in den Vordergrund stellst. Warum ist das so?

Ich habe bevor ich zweimal auf Hawai’i gestartet bin und Ironman-Sieger gecoacht habe lange Jahre Kampfsport gemacht. Wenn ich gemerkt habe, dass mein Gegenüber nur den geringsten Zweifel hatte, konnte ich das immer zu meinem Vorteil ausnutzen. Genau das passiert auch im Triathlon. Wenn ein Athlet den leisesten Zweifel an sich selber hat, werden diese Zweifel seine Leistung verschlechtern. Mit positivem Feedback, dem kontinuierlichen Abgleich mit den Träumen und dem Aufzeigen der Erfolge, erlebe ich bei meinen Athleten immer mehr Selbstbewusstsein und steigende Leistungen. Wer mit breiter Brust und voller Zuversicht am Start steht, wird an dem Tag alles zeigen was er kann. Und genau das ist das Ziel. Nehmen wir Astrids überragenden Sieg in Barcelona als Beispiel. Astrid kam mit Rückstand und Krämpfen aus dem Wasser, musste vor der Mountline anhalten und Krämpfe wegdehnen. Die Spitze war ewig weit weg. Astrid hatte einfach tiefes Vertrauen in sich selber, nach den ersten 15 Minuten auf dem Rad ganz kontrolliert aufgedreht und mit der schnellsten Radzeit des Jahres bei einem Ironman den Sieg vorbereitet. Sie wusste, dass Sie das kann und sie hat sich blind vertraut. Was sich einfach anhört war lange Arbeit, aber die hat Astrid dahin gebracht wo sie hingehört. In die Weltspitze.

Letzte Frage an Dich Chris. Wann bist Du zufrieden mit deinem Coaching?

Ganz klar, wenn ich merke, dass meine Athleten mir vertrauen und wir ganz eng zusammen arbeiten. Das bedeutet für mich völlige Offenheit und auch das Ausprobieren neuer Wege. Da ist jeder Athlet anders und genau dieses Individuelle wollen wir gemeinsam finden. Wenn es dann nicht mehr um Platzierungen geht, sondern darum an dem einen Tag alles was drin ist abzurufen, dann bin ich am Ziel. Übrigens passieren die Platzierungen und Ergebnisse dann ganz von alleine.