Wo ist der Unterschied zwischen Profis und Agegroupern?

Kennt ihr  auch dieses Gefühl, wenn ihr eurer Bike in der Wechselzone eincheckt und ihr beim Anblick der teuren Boliden von den anderen Startern anfangt zu zweifeln, ob ihr mit diesen Top-Athleten mithalten könnt? Ich kenne das Gefühl zu gut. Man ist geradezu eingeschüchtert von Rädern und Waden der anderen Starter. Alle sehen sie aus wie Profis. Und doch haben es bei meinem ersten Ironman nur ganze 19 schneller ins Ziel geschafft als ich. 2354 waren langsamer als ich. Genauso ging es Astrid bei ihrem ersten Ironman Hawai’i 2013 als Agegrouper. Ihr Rad ein gebrauchtes P2. Ihre Radzeit eine knappe Minute schneller als die der späteren Weltmeisterin Miranda Carfrae. Ganze 5 Frauen sind schneller gewesen als sie, alle mit High-End Material.

Worauf ich hinaus will, die meisten Triathleten haben das Material der Profis und manche auch das Ego, aber an entscheidender Stelle fehlt das Puzzlestück. Beim Training. Nicht jeder wird die Leistung eines Profis bringen können, aber die meisten bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Der Unterschied liegt in der Trainingsgestaltung. Die von mir gecoachten Athleten trainierten vor unserer gemeinsamen Zusammenarbeit  fast alle zu hart und zu viel. Jeder Athlet hat seine individuellen Belastungsgrenzen in Bezug auf Trainingsumfang und -qualität. Um das Optimum an Form herauszuarbeiten muss man diese Grenzen bestmöglich ausnutzen und der Erholung einen sehr hohen Stellenwert geben. So wie es die richtig guten Profis tun. 1% zu viel Training ist sehr viel schlechter für die Performance, als 10% zu wenig Training. Dies liegt daran, dass je näher man seiner Belastungsgrenze kommt, Ermüdung und Verletzungsanfälligkeit exponentiell ansteigen. Ein Tanz auf der Rasierklinge. Oft geht dieser eine Weile gut, aber den Preis zahlt jeder irgendwann – physisch oder psychisch. Das ist auch der Grund, warum Profis alle einen Trainer haben, der als unabhängige Instanz von außen das Training steuert und monitort. Ein Trainer kann dies ohne die Angst, die den Athleten ständig begleitet: Mache ich auch genug? Andere trainieren mehr?

Ein Trainer hat die Zeit Probleme die auftauchen zu analysieren. Zeit ,die ein Agegrouper bei all seinen Verpflichtungen von Familie, Beruf und Training nicht hat. Wer ein Ziel hat muss es verfolgen und das ist im Team leichter. Wer von euch liest in seiner Freizeit nach all dem Training noch solche Bücher und erarbeitet daraus ideale Pläne zur Regeneration? Wer von euch hat das Netzwerk aus Physiotherapeuten, Osteopathen oder Orthopäden? Wer von kennt im Zweifel noch einen Sportpsychologen der auch den letzten Knoten löst?

Viele Athleten gönnen sich jedes Jahr den neuesten Laufradsatz für tausende Euro und ich verstehe das gut. Es macht einfach unglaublich Freude und man wird bewundert von seinen Vereinskollegen. Aber wer von euch hat schon einmal dieses Geld in einen guten Trainer investiert? Jan Frodeno hätte dieses Jahr Hawaii auch mit einem 5 Jahre alten Laufradsatz gewonnen, aber niemals ohne Trainer oder mit einem 08/15-Trainingsplan aus einer Zeitschrift.

Übrigens, Freude macht so eine Zusammenarbeit auch, und die Bewunderung der Vereinskollegen kommt spätestens nach dem ersten Ergebnisschub;-).

Ich wünsche euch erfolgreiche Rennen und jede Menge Freude

Chris

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